Eingangs möchte ich einen kleinen Denkanstoß zum Titelbild geben.

Nicht ohne Grund handelt es sich um einen Weg und Bäume. Im Laufe meiner Biografie werde ich darauf eingehen.

Nur soviel vorweg: Es ist der Grund für mich nicht aufzugeben egal wie steinig der Weg auch sein mag.

Viel Spaß beim lesen







ACHTUNG!!!


Der nachfolgende Text ist von einem sehr Traumatisiertem Einsatz.

Dieser Einsatz bedeutete für mich das Ende im Rettungsdienst. Es war ein sehr Emotionaler Einsatz welchen ich trotz der jahrelangen Erfahrungen und unzähligen Einsätze bis heute nicht verarbeiten konnte.

Daher nur weiterlesen wenn ihr euch dessen bewusst seid, dass der Ausschnitt nichts für schwache Nerven ist.




Das Ende im Rettungsdienst

... Endlich kamen die Heber und die Bahn konnte angehoben werden und endlich alle aus dem Auto geborgen werden.

Alle fünf hatten einen Herzstillstand erlitten sowie nicht sichtbare innere Verletzungen.

Es ist in der Medizin allgemein bekannt dass sogenannte „Chirurgische Reanimationen“, also Reanimationen, die auf Grund Verletzungen notwendig werden nur in etwa 1% aller Fälle auch Erfolg haben.

Diese Statistik war uns vollkommen egal. Es galt unser Bestes zu geben und diese fünf wieder zurückzuholen. Alle standen unter Schock und wollten auf keinem Fall aufgeben. In unseren Köpfen spielten sich dramatische Szenen ab. Nein, das kann und darf nicht sein dass wir hier versagen. Es kam ein zusätzlicher Kindernotarzt hinzu, um eine weitere Meinung einzuholen oder uns bei unsrer Arbeit zu unterstützen.

Wir reanimierten nun schon über zwei Stunden, aber es wollte niemand aufgeben.

Wir beschlossen so lange zu reanimieren bis alle, also Sannies, Notarzt, Kindernotarzt und ich einstimmig einen Abbruch beschließen.

Es war die Hölle, ich habe auch jetzt Tränen in den Augen und sehe die verzweifelten Kinder und die Mutter im Wagen sitzen als sie noch lebten.

Jetzt lagen sie vor uns, und es lag in unseren Händen ob wir sie retten könnten.


Wir konnten kein einziges Leben retten, und das schlimmste an der Sache ist, dass die Kinder vor Ort durch ihre Eltern identifiziert werden mussten. Ich weiß nicht mehr wie lange wir Reanimierten, gefühlt eine Ewigkeit. Wir waren am Ende unserer Kräfte, hatten Muskelkrämpfe und der ganze Körper schmerzte.

Irgendwann kamen wir dann zu dem Ergebnis, dass wir machtlos waren, und niemanden retten konnten.

Wir beendeten die Reanimationen, verließen die Rettungswagen und waren, ja, was waren wir? Leider finde ich keine passenden Worte um zu beschreiben was da in einem zerbrach.

All die Erfahrung, diverse Ärzte vor Ort, und trotzdem steht man Hilflos da und muss sich eingestehen, dass man Grenzen gesetzt bekommt, die man nicht durchbrechen kann.

Zuerst eine, zwei, drei Zigaretten (half in der Vergangenheit schon bei anderen Katastrophen), aber diesmal half es nicht.

Wir alle konnten uns nicht zurückhalten wir weinten, saßen am Straßenrand und konnten nicht begreifen was hier gerade geschehen war.

Langsam verarbeitete das Gehirn, was in den letzten Stunden geschah. Man macht sich verrückt ob man nicht etwas hätte tun können, bevor die Bahn das Auto zerquetschte. Vielleicht hätte man in die Bahn klettern können und diese zurückfahren. Oder mit einem RTW die Bahn seitlich rammen dass sie zur Seite umkippt. Alles nicht machbar, aber solche Gedanken kreisen einem nur noch im Kopf herum.

Ich war nach diesem Einsatz so ausgebrannt, ich konnte meinen Dienst nicht beenden. Das galt auch für die Notärzte und die anderen Sannies.

Ich ging direkt in die nächste Spielhalle und ertränkte das Erlebte in Glückspiel und Alkohol, aber es half nicht. Ich bekam diese Bilder nicht einmal da aus meinem Kopf.

Das war der entscheidende Moment als ich wusste ich kann diesen Job nie wieder tun.

Alle meine körperlichen Gebrechen kamen ans Licht...